Die wunderbare Welt der Patente: Die Evolution der Einkaufstüte

Die wunderbare Welt der Patente: Die Evolution der Einkaufstüte

Wenn Sie einkaufen gehen, bringen Sie eigentlich eine eigene Tragetasche mit? Vor gar nicht allzu langer Zeit war es noch gang und gäbe, dass es Einweg-Plastiktüten bei jedem Einkauf gratis dazu gab. Heute sind aber solche Einmaltragetüten nicht mehr üblich; sie wurden durch die Mehrweg-Tüte ersetzt. Ein Blick in die Patentwelt zeigt diese Entwicklung anschaulich. Dabei werden zwei Aspekte deutlich: Erstens scheint die Entwicklung zyklisch zu sein. Und zweitens – wie üblich – ist die Erfinderwelt ist fast immer ihrer Zeit voraus. Lesen Sie weiter, um mehr über diese spannende Geschichte zu lernen!

 

Bitte reiß- und wasserfest!

In den 1920er Jahren waren Papiertüten üblich. Doch leider waren – und sind – Papiertüten mit einigen Nachteilen verbunden: Sie sind weder reißfest noch wasserdicht. Außerdem sind sie nur sehr bedingt wiederverwendbar. Um die Einkaufstütensituation zu verbessern, wurden deshalb eine Vielzahl an robusteren Tüten erfunden und dem Patentamt überreicht.

So wurde 1921 in den USA eine Einkaufstüte patentiert, die aus wasserdichtem Material hergestellt wurde, welches „den Überzügen von Automobilen“ ähnelt. Man stelle sich hierzu beispielsweise das Planendach eines Model Ts vor. So sollten Einkäufe auch bei regnerischem Wetter heil im Zuhause des Endkonsumenten ankommen.

Doch die neuen Tüten sollten nicht nur wetterfest und reißsicher, sondern auch praktisch sein. So erfand man zusammenfaltbare Tüten, die außerhalb der Nutzungszeit problemlos in eine Tasche passten, und auch solche, die angaben, sowohl zusammenlegbar als auch erweiterbar zu sein.

Doch diese Tüten waren noch nicht perfektioniert, denn Regen fällt bekanntlich von oben und Diebe kommen dort rein, wo sie es können. Deshalb erfand man 1941 eine Einkaufstüte mit einem Reißverschluss. Zu dieser Zeit wurde der eigentlich schon im 19. Jahrhundert erfundene Reißverschluss bereits vielfach für Kleidung eingesetzt. Nun sollte damit das Gekaufte auch von oben geschützt sein.

 

Einweg bitte

Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs die Popularität eines nun überall zu findenden Materials: Plastik. Einweggeschirr gab es zu jeder Fastfood-Mahlzeit dazu und die „guten“ Möbel wurden damit sauber gehalten. Auch bei den Einkaufstüten war ein neues Zeitalter angebrochen; vorbei waren die Zeiten des sparsamen Mehrwegbeutels.

Der Schwede Gustaf Thulin Sten erfand Anfang der 60er Jahre die erste moderne Plastiktüte. Damit konnten zu sehr geringen Kosten sehr viele Tüten produziert werden, die aus einem Stück geschweißt und selbstverständlich sehr leicht waren. Der geringe Wert dieser Tüten hieß, dass es nicht so schlimm war, wenn man sie verlor, und bald gab es überall und ständig gratis Plastiktüten dazu.

Doch diese Plastiktüten hatten den Nachteil, dass die Griffe genauso dünn waren wie der Rest der Tüte. Um den Tragekomfort zu erhöhen, erfand man Plastiktüten mit separat gefertigten, verstärkten Griffen. Auch diese festeren Griffe waren natürlich aus Plastik.

Und doch war hierdurch noch nicht das Maximum des Komforts erreicht. So entstand in Norwegen Mitte der 80er eine Einwegplastiktüte, die auf dem Rücken getragen werden konnte. Dieser Wegwerfrucksack ließ dem Benutzer die Hände nun komplett frei.

 

Ein Meer aus Plastik

Seit einigen Jahren kehrt die Welt der Plastiktüte zunehmend den Rücken zu. Insbesondere im vergangenen Jahrzehnt haben viele Menschen und Regierungen den umweltschädlichen Einfluss von Plastiktüten erkannt. Bilder von plastikdurchsetzen Ozeanen und riesigen Müllbergen lassen wohl die Wenigsten kalt, weshalb unter anderem Länder wie Italien, Jamaika und Kirgistan Einwegplastiktüten verboten haben. Stattdessen – auch hier in Deutschland – werden wiederverwendbare Tüten benutzt.

Doch warum wurde erst so spät damit begonnen? Wo waren die Erfinder? Ein Blick in die Patentwelt zeigt, dass tatsächlich schon vor 30 Jahren entsprechende Ideen für umweltschonende Einkaufstüten patentiert wurden. Die Erfinder waren ihrer Zeit voraus, legten jedoch den Grundstein für die heute üblichen Tragetüten. Beispielsweise wurde eine Tragetasche, „ähnlich einer Strandtasche“, 1990 zum Einkäufe tragen erfunden. Im selben Jahr entstand eine ähnliche wiederverwendbare Einkaufstasche, die in der Patentbeschreibung ausdrücklich zur Verringerung der Umweltverschmutzung beitragen soll.

Auffällig ist hierbei, dass diese Einkaufstüten sehr viel mit den Tüten aus den 20ern gemeinsam haben. Ob wir demnächst eine weitere Entwicklung der Einkaufstüte erleben? Mehrweg ist jedenfalls wieder da; diesmal wohl eher aus Umweltbewusstsein und weniger aufgrund der finanziellen und materiellen Zwängen, die vor 100 Jahren bestanden.

Die Geschichte der Einkaufstüte zeigt, wie sehr die Patentwelt der Zeit voraus ist. Es wird auch deutlich, dass die Erfindungen sich den aktuellen Bedürfnissen einer Gesellschaft anpassen. Das gilt natürlich auch für die Übersetzungsbranche: Sie ist immer bereit, aktuell benötigtes Wissen um die Welt gehen zu lassen!

 

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