5 Merkmale einer professionellen Übersetzung

5 Merkmale einer professionellen Übersetzung

Die Hauptmerkmale einer guten Übersetzung sind relativ schnell ersichtlich: Im Grunde genommen ist es wichtig, dass die Bedeutung und der Ton des Ausgangstextes in die Zielsprache übernommen werden. Weiterhin sollte in Sachen Grammatik und Rechtschreibung alles fehlerfrei sein. Doch es gibt auch kleinere Aspekte, die nicht minder wichtig sind. In einer professionellen Übersetzung werden auch kleine Details beachtet, die dafür sorgen, dass die Übersetzung am Ende glänzt.  Lesen Sie weiter, um über die wichtigsten Merkmale zu lernen!

 

1) Zahlen

Ein erstes Merkmal einer sorgfältigen Übersetzung betrifft die darin vorkommenden Zahlen. Als erstes gilt es, auf die Ausschreibung von Zahlen zu achten. Im Englischen lautet die Faustregel: Zahlen von null bis zehn sollten ausgeschrieben sein. Im Deutschen gilt das bis zwölf. In anderen Sprachen ist man nicht so streng.

Die Ausschreibung von Zahlen ist meistens eine rein formale Angelegenheit. Das gilt nicht für Zahlen mit Stellen hinter dem Komma – oder eben hinter dem Punkt. Auch hier unterscheiden sich die schriftlichen Konventionen einiger Sprachen: Während beispielsweise im Deutschen und Französischen ein Komma als Dezimalzeichen verwendet wird, muss im Englischen ein Punkt gesetzt werden. Eine scheinbar kleine Verwechselung kann hier große Konsequenzen haben. Nehmen wir die folgenden Sätze als Beispiel:

Forschern zufolge bleiben uns nur noch 2,555 Jahre bis zum Weltuntergang.

Forschern zufolge bleiben uns nur noch 2.555 Jahre bis zum Weltuntergang.

Welcher Satz macht Ihnen mehr Angst?

 

2) Einheiten

Um beim Thema Zahlen und Größen zu bleiben, sollte in einer Übersetzung darauf geachtet werden, dass die darin vorkommenden Einheiten und Größen sinnvoll und bedeutend in der Zielsprache sind. Ein klassisches Beispiel betrifft die Verwendung der Einheiten Zentimeter und Meter oder Zoll und Fuß. Während erstere wohl in der Mehrzahl der Sprachen üblich sind, kann man davon ausgehen, dass eine amerikanische Leserschaft darüber stolpern würde. Natürlich gilt das aber auch nicht immer: So werden in wissenschaftlichen Texten fast universell metrische Einheiten verwendet.

Anders als bei Dezimalzahlen reicht es in diesem Fall allerdings nicht aus, einfach nur die Einheiten auszutauschen. Hier muss je nach Situation auch mal umgerechnet werden oder in irgendeiner Form beide Einheiten angeführt werden.

 

3) Satzstrukturen

Um die Leserlichkeit einer Übersetzung sicherzustellen, muss syntaktisch manchmal gebastelt werden. Es ist nämlich möglich, einen Satz komplett korrekt zu übersetzen und am Ende trotzdem eine vollkommen unverständliche Zusammenstellung von Wörtern zu haben. Das liegt zum Teil daran, dass verschiedene Grade der Satzkomplexität in verschiedenen Sprachen üblich sind.

Deutsche Sätze sind international für ihre verschachtelte Natur bekannt. Solche Konstruktionen mit unendlich vielen Nebensätzen sind allerdings in einer Sprache wie Englisch alles andere als normal. Eine professionelle Übersetzung weist in einem solchen Fall deshalb mehrere kleinere Sätze auf, anstatt eines großen Satzes.

Hinzu kommt, dass in manchen Fällen Referenzen in der Zielsprache verloren gehen können. In Sprachen mit mehreren Genus und Kasus kann man Verbindungen teils sehr weit auseinanderliegender Satzteile erkennen. Übersetzt man allerdings in eine Sprache ohne diese Unterscheidungsmerkmale, kann es sehr schnell passieren, dass am Ende die Bezüge unklar sind.

Ein Beispiel:

Der Mann schaut auf die Frau mit dem Kind, die einen Hund an der Leine führt.

Welche der drei Personen im Satz führt den Hund an der Leine? Im Deutschen ist dank des Relativpronomens klar, doch schauen wir dafür eine mögliche englische Übersetzung desselben Satzes an:

The man looks at the woman with the child who is walking a dog on a leash.

Hier fällt auf, dass sowohl die Frau als auch das Kind den Hund führen könnten. Hier muss also ein Weg gefunden werden, diese Mehrdeutigkeit aufzulösen.

 

4) Namen, Titel und Anreden

In verschiedenen Sprachen und Kulturen gibt es verschiedene Konventionen bezüglich Namen und Anreden. So ist es beispielsweise im US-Englischen häufig unbedenklich, eine Person mit ihrem Vornamen zu bezeichnen. Im Deutschen wäre das allerdings in vielen Situationen unangemessen. In einer guten Übersetzung wird also darauf geachtet, die Namensverwendung angebracht und üblich ist.

Akademische Titel sind je nach Sprache auch unterschiedlich. Dieselbe Qualifikation kann je nach Sprache ganz anders aussehen. In englischsprachigen Ländern wäre Frau Prof. Dr. Schwarz zum Beispiel einfach nur Prof. Schwarz. Deshalb gilt es, in einer professionellen Übersetzung die Titel der darin vorkommenden Personen der Zielsprache anzupassen, sodass die Leserschaft nicht darüber stolpert.

Bei manchen Texten – wie bei Briefen – wird die Leserschaft direkt angesprochen. Hierbei muss in einer Übersetzung sichergestellt werden, dass konventionelle Höflichkeitsformen verwendet werden, um niemanden vor den Kopf zu stoßen.

 

5) Vergleiche, Redewendungen und Normen

Viele Texte nutzen Vergleiche und Redewendungen, um einen Aspekt des Inhalts deutlicher darzustellen. Beim Übersetzen wäre es in solchen Fällen leicht, den Vergleich bzw. die Redewendung einfach direkt zu übersetzen. Doch dadurch könnte es passieren, dass die zielsprachliche Leserschaft mit dem Satz gar nichts anfangen kann. Eine professionelle Übersetzung passt hier also auf, dass eine Alternative gefunden wird, die den Zweck des ausgangssprachlichen Vergleichs erfüllt.

Nehmen wir einen Satz wie den folgenden:

Pro Jahr sammelt jeder Mensch im Schnitt eine Milliarde Pilze, was ca. 15 Fußballfeldern entspricht.

Müsste dieser Satz für eine amerikanische Leserschaft ins Englische übersetzt werden, wäre es sinnvoll, einen anderen Vergleich zu finden, da Fußball in den USA keinen so hohen Stellenwert besitzt wie in Deutschland.

Das gilt auch für Referenzen auf kulturelle Normen und Praxen. In manchen Texten wird auf kulturelle Phänomene Bezug genommen, die in anderen Sprachen bzw. Ländern keine Bedeutung haben. Hier könnte man so wie bei Vergleichen vorgehen und eine Alternative finden. Ist allerdings das angeführte Phänomen für den Text inhaltlich entscheidend, müssen oft zusätzliche Informationen hinzugefügt werden, um die Leserschaft mitzunehmen.

Um Weihnachten herum taucht hierzu häufig das Beispiel des Christkinds auf. Diese Figur existiert in vielen Kulturen nicht, kann aber bei Texten über das Christkind oder Christkindlmärkte nicht bloß verändert oder weggelassen werden. In einem solchen Falle wird meist kurz die Figur des Christkinds kurz erklärt, um Verwirrung zu vermeiden und gleichzeitig aber keine Informationen auszulassen.

 

Bei GlobalSprachTeam fertigen wir Übersetzungen an, die all diese Aspekte berücksichtigen. Unabhängig von der Textgattung sorgen wir dafür, dass sich der Zieltext genauso gut liest wie der Ausgangstext!

 

(O.M., 2021)

 

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